Das Ende von Jira Data Center zusammengefasst
- Der Support für die Atlassian Server-Produkte endete bereits am 15. Februar 2024.
- Jira Software Data Center und Jira Service Management Data Center erreichen am 28. März 2029 ihr End of Life.
- Eine Migration von Data Center zu Atlassian Cloud ist kein einfaches technisches Upgrade: Apps, Funktionen, Daten, Benutzer und Integrationen müssen geprüft werden.
- Für Unternehmen, die stark im Atlassian-Ökosystem verankert sind, kann Atlassian Cloud der logische nächste Schritt sein.
- Wer Service Management künftig stärker über die IT hinaus ausbauen, IT Operations integrieren oder Daten und Workflows unternehmensweit konsolidieren möchte, sollte auch alternative Zielplattformen evaluieren.
- Bestehende Data-Center-Umgebungen können bis 2029 weiterbetrieben werden. Die verbleibende Zeit bietet jedoch vor allem ein Zeitfenster für die Planung und Umsetzung der zukünftigen Zielarchitektur.
Was das Ende für Unternehmen bedeutet
Atlassian treibt seine Cloud-Strategie konsequent voran. Nachdem der Support für die Server-Produkte bereits am 15. Februar 2024 endete, steht nun auch das Ende der meisten Data-Center-Produkte fest: Jira Software Data Center und Jira Service Management Data Center erreichen am 28. März 2029 ihr End of Life. Danach laufen die entsprechenden Lizenzen aus und die Systeme werden grundsätzlich nur noch lesbar sein.
Betroffen sind unter anderem Jira Software Data Center, Jira Service Management Data Center, Confluence Data Center, Bamboo Data Center und Crowd Data Center. Für einzelne Produkte wie Bitbucket Data Center gelten Sonderregelungen. Atlassian sieht zudem in bestimmten Ausnahmefällen eine erweiterte Wartung über 2029 hinaus vor. Für Jira-Service-Management-Kunden ist die Richtung damit klar: Die bestehende Data-Center-Installation ist keine dauerhafte Plattformstrategie mehr.
Unternehmen, die Jira heute noch selbst verwalten, beispielsweise als On-Premise-Installation oder in einer selbstverwalteten Cloud-Umgebung, müssen ihre zukünftige Plattformstrategie neu bewerten. Die zentrale Frage sollte jedoch nicht lauten: «Wie bringen wir unser heutiges Jira in die Cloud?» Sondern: «Welche Service-Management-Plattform benötigen wir in den nächsten fünf bis zehn Jahren?» Wer ohnehin Daten, Integrationen, Apps, Prozesse und Berechtigungen überprüfen muss, hat jetzt die Gelegenheit, die eigene langfristige Plattformstrategie zu hinterfragen.
Warum Unternehmen vor der Jira-Cloud-Migration die Plattformfrage klären sollten
Für viele Unternehmen ist Atlassian Cloud der naheliegendste Weg. Wer Jira intensiv für Softwareentwicklung, DevOps und Service Management nutzt, hat gute Gründe, innerhalb des Atlassian-Ökosystems zu bleiben. Dennoch sollte der Wechsel nicht als reines Hostingprojekt betrachtet werden. Auch eine Migration zu Jira Cloud erfordert die Überprüfung von Apps, Integrationen, Prozessen und Daten. Je nach Ausgangslage können Anpassungen erforderlich sein, um die gleiche Funktionalität in der Cloud bereitzustellen. Wenn ohnehin ein Migrationsprojekt notwendig wird, lohnt es sich daher, nicht nur die Hosting-Frage zu beantworten, sondern auch zu prüfen, ob die bestehende Plattform zur langfristigen Service-Management-Strategie des Unternehmens passt.
Optionen für bestehende Jira-Data-Center-Kunden
1. In die Atlassian Cloud wechseln
Für viele Organisationen ist dies der direkteste Weg. Atlassian hat sein Cloud-Angebot in den vergangenen Jahren erheblich erweitert. Jira Service Management ist inzwischen Teil der Atlassian Service Collection, zu der auch Customer Service Management, Assets und Rovo gehören. Atlassian positioniert die Lösung nicht mehr ausschliesslich für IT und DevOps, sondern auch für Serviceprozesse in HR, Finance, Legal, Facilities und weiteren Unternehmensbereichen.
Ein Wechsel innerhalb des Atlassian-Ökosystems ist insbesondere dann naheliegend, wenn
- Jira bereits tief in Entwicklungs- und DevOps-Prozesse integriert ist,
- die bestehenden Atlassian-Prozesse grundsätzlich den zukünftigen Anforderungen entsprechen,
- die benötigten Apps und Integrationen in der Cloud zur Verfügung stehen und/oder
- keine grundlegende Konsolidierung der Service-Management-Landschaft geplant ist.
Aber auch in diesem Szenario sollten Unternehmen frühzeitig analysieren, welche Anpassungen durch den Wechsel von Data Center zu Cloud notwendig werden.
2. Alternative Zielplattform prüfen
Die zweite Möglichkeit besteht darin, die kommende Ablösung nicht nur als Migration, sondern als Neuorientierung zu betrachten. Das ist vor allem für Unternehmen interessant, deren Anforderungen inzwischen deutlich über einen klassischen Service Desk hinausgehen.
Ein Plattformwechsel kann deshalb sinnvoll sein, wenn ein Unternehmen beispielsweise
- Service Management zukünftig über die IT hinaus ausbauen möchte,
- ITSM, IT Operations und Configuration Management stärker verbinden möchte,
- unterschiedliche Service-Management-Werkzeuge konsolidieren möchte,
- ein gemeinsames Daten- und Workflow-Modell über mehrere Unternehmensbereiche hinweg anstrebt und/oder
- Automatisierung und AI nicht nur innerhalb einzelner Tools, sondern über durchgängige Geschäftsprozesse hinweg einsetzen möchte.
Entscheidend ist dabei, welches Betriebs- und Plattformmodell besser zu den zukünftigen Anforderungen des eigenen Unternehmens passt.
Erste Ansätze dazu sehen wir in Gesprächen mit unseren Kunden. Bei zwei konkreten Fällen ist Jira für die Projektplanung im Einsatz, bei gleichzeitiger Nutzung von ServiceNow im Bereich des Service Managements. Anstatt die Migration in die Jira Cloud zu vollziehen, wurde die Entscheidung getroffen, den Ausbau zu einem Enterprise Service Management Tool mit ServiceNow weiter voranzutreiben und die Projektplanung künftig mit Strategic Portfolio Management in ServiceNow abzudecken. Tipp: Wie sich dieser Ansatz im Projekt- und Portfoliomanagement konkret umsetzen lässt, zeigen wir im Beitrag «Jira muss in die Cloud. Muss Ihr PPM mit?».
ServiceNow als alternative Plattformstrategie
Für Unternehmen, die über einen Plattformwechsel nachdenken, lohnt sich ein genauerer Blick auf ServiceNow. Die nachfolgende Tabelle beleuchtet Jira Cloud und ServiceNow und soll der Einordnung hinsichtlich eigener individueller Anforderungen sowie der langfristigen Zielarchitektur dienen.
| Fragestellung | Jira Service Management Cloud | ServiceNow |
|---|---|---|
| Primärer Fokus | Dev, IT Operations und Business Teams auf einer gemeinsamen Atlassian-Plattform | Unternehmensweite Service- und Workflow-Plattform für IT, HR, Customer Service, Security und weitere Unternehmensbereiche |
| Enterprise Service Management | Erweiterung auf weitere Fachbereiche wie HR, Legal oder Facilities möglich | Native Lösungen für HR, Legal, Workplace Services, Customer Service, Procurement, Security und weitere Domänen; ergänzt durch Strategic Portfolio Management für die strategische Portfolio- und Projektsteuerung |
| CMDB & Service-Transparenz | Assets dient als Asset Repository bzw. CMDB | CMDB mit Discovery, Service Mapping und serviceübergreifenden Abhängigkeiten als zentraler Bestandteil der Plattform |
| IT Operations (ITOM) | Fokus auf IT Service Management | Integriertes ITOM mit Discovery, Event Management, Service Mapping und Operations-Funktionen |
| AI & Automatisierung | KI-Funktionen innerhalb der Atlassian-Plattform und Jira Service Management | Plattformweite KI mit Now Assist, AI Agents, Predictive Intelligence und End-to-End-Automatisierung über verschiedene Unternehmensbereiche |
| Datenmodell | Gemeinsame Atlassian-Plattform mit mehreren Anwendungen | Einheitliches Datenmodell (Single Data Model) und gemeinsame Architektur über sämtliche Workflows hinweg |
| Governance & Standardisierung | Fokus auf schnelle Einführung und einfache Nutzung | Konzernweite Standardisierung, Governance und Transparenz über alle Service-Prozesse hinweg |
| Integration von Fachbereichen | Möglich, jedoch mit Schwerpunkt auf IT und Entwicklung | Von Beginn an für Enterprise Service Management und fachbereichsübergreifende Workflows konzipiert |
| DevOps | Sehr starke native Integration mit Jira Software, Agile-Teams und DevOps-Prozessen | Integration mit Jira, GitLab, Azure DevOps, Jenkins und weiteren DevOps-Werkzeugen |
| Strategischer Mehrwert | Modernisierung und Weiterentwicklung der bestehenden Atlassian-Landschaft | Plattform für digitale Transformation, Enterprise Workflows, Automatisierung und AI über das gesamte Unternehmen hinweg |
Die Tabelle zeigt auch, dass «Jira Cloud oder ServiceNow?» keine reine Featurefrage ist. Eine Organisation mit starkem Jira-Software- und DevOps-Fokus kann zu einer anderen Entscheidung kommen als ein Unternehmen, das ITSM, IT Operations, Customer Service, HR, Strategic Portfolio Management und weitere Serviceprozesse stärker zusammenführen möchte.
Gut zu wissen: ServiceNow verfolgt einen umfassenden Plattformansatz. IT Service Management, IT Operations Management, Asset Management, Security, HR Services Management, Customer Service Management, Procurement und weitere Workflow-Bereiche können auf einer zentralen Plattform mit gemeinsamen Daten und Workflows abgebildet werden. Im IT Service Management verbindet ServiceNow beispielsweise Incident-, Change-, Problem- und Request-Prozesse mit CMDB-Daten und Abhängigkeiten. Über den erweiterten Plattformansatz lassen sich ITSM und IT Operations enger miteinander verzahnen.
7 Fragen, die sich Unternehmen jetzt stellen sollten
Bevor Sie sich für eine Zielplattform entscheiden, lohnt es sich, die zukünftigen Anforderungen an Ihr Service Management genauer zu betrachten:
- Möchten Sie Service Management künftig über die IT hinaus ausbauen? Sollen beispielsweise auch HR, Customer Service, Security, Procurement oder weitere Unternehmensbereiche auf derselben Plattform abgebildet werden?
- Möchten Sie ITSM und IT Operations enger miteinander verbinden? Spielen CMDB, Discovery, Service Mapping und die Abhängigkeiten zwischen Services und Infrastruktur künftig eine grössere Rolle?
- Möchten Sie unterschiedliche Service- und Workflow-Lösungen auf einer gemeinsamen Plattform konsolidieren? Sollen Daten, Prozesse und Workflows stärker vereinheitlicht und Silos reduziert werden?
- Benötigen Sie durchgängige Automatisierungen über mehrere Systeme und Unternehmensbereiche hinweg? Sollen Prozesse nicht nur innerhalb einzelner Anwendungen, sondern End-to-End automatisiert werden?
- Soll AI über verschiedene Service- und Workflow-Bereiche hinweg eingesetzt werden? Möchten Sie AI nicht nur für einzelne Anwendungsfälle, sondern als Bestandteil einer übergreifenden Automatisierungsstrategie nutzen?
- Sind zentrale Governance, Standardisierung und Transparenz für Sie wichtige Anforderungen? Sollen Prozesse, Daten und Verantwortlichkeiten unternehmensweit einheitlicher gesteuert werden?
- Möchten Sie die anstehende Migration für eine langfristige Plattformstrategie nutzen? Geht es Ihnen nicht nur darum, Jira in ein neues Betriebsmodell zu überführen, sondern Ihre Service-Management-Landschaft für die nächsten Jahre neu auszurichten?
Wenn Sie mehrere dieser Fragen mit Ja beantworten, lohnt es sich, ServiceNow als mögliche Zielplattform genauer zu prüfen. Insbesondere dann, wenn Sie Service Management über die IT hinaus ausbauen, ITSM und IT Operations enger verbinden oder Prozesse und Automatisierungen stärker auf einer gemeinsamen Plattform zusammenführen möchten.
Nicht nur Cloud-Migration planen, sondern die Zielplattform
Der 28. März 2029 scheint auf den ersten Blick noch weit entfernt. Für grössere Service-Management-Landschaften mit zahlreichen Integrationen, Apps, individuellen Prozessen und umfangreichen Datenbeständen ist der Planungshorizont jedoch deutlich kürzer. Unternehmen mit Jira Data Center sollten deshalb frühzeitig entscheiden, welchen Weg sie langfristig einschlagen wollen.
- Wer im Atlassian-Ökosystem bleiben möchte und mit dessen strategischer Ausrichtung übereinstimmt, findet mit der Atlassian Cloud und Service Collection einen klaren Migrationspfad.
- Wer die anstehende Veränderung dagegen nutzen möchte, um ITSM, IT Operations und weitere Serviceprozesse langfristig stärker zu konsolidieren, sollte jetzt auch Alternativen wie ServiceNow evaluieren.
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